Willkommen im KI-Dschungel

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Deskilling vs. Upskilling

Einen eigenen „Study Buddy“ konfigurieren

Persönlich konfigurierbare KI-Assistent*innen haben ein wirklich großes Potenzial, Studieren einfacher zu machen. Oder sagen wir lieber, du kannst sie punktuell einsetzen, um individueller zu lernen und dich effektiver – im Sinne von zielführender – beispielsweise auf Prüfungen vorbereiten. Und dabei eventuell sogar noch Zeit sparen. 

Das gilt natürlich nur, wenn die Datenbasis des Sprachmodells deine Lerninhalte beinhaltet und nichts „hinzudichtet“ oder verfremdet. In Abbildung 1 siehst du ein populäres Motiv für die Visualisierung dieser Art von Lernpartnerschaft – der Bot als Ping Pong Partner*in. Schau mal genauer hin: Der Bot-Oberkörper wurde auf der Ping-Pong-Platte abgebildet, der Schläger ist eckig und die Tischbeine werden in Wirklichkeit eigentlich auch irgendwie anders platziert, oder? Diese sogenannten Artefakte sind bei KIs normal – und zwar nicht nur bei Bildgeneratoren, obwohl man sie dort natürlich oft schneller erkennt als bei Texten. 

Abb. 1: Der Bot als Ping Pong Partner*in. Generiert von Alexander Piwowar mit ideogram.ai 
Grafik: Alexander Piwowar

KI-Assistent*innen erstellen ist viel leichter, als du vielleicht denkst

In den Tabs unten auf dieser Seite gibt es eine super simple Anleitung, wie es geht und Tipps, wobei sie dich konkret unterstützen können. Diese Assistent*innen können dynamisch und interaktiv bei der Vermittlung von Inhalten helfen, sofortiges Feedback geben, 24/7 auf dich eingehen und personalisierte Lernpfade ermöglichen. Übrigens könnten KI-Chatbots schon bald in vielen Softwares das neue Normal sein, bei Microsoft beispielsweise bereits als „Copilot“ bekannt. Aber von diesen Bots in spezifischen Softwares reden wir hier jetzt eigentlich gar nicht, es geht vielmehr um dich und wie leicht du einen eigenen Lernbot erstellst. 

Mache aus Standard-Sprachmodellen persönliche Lerntutor*innen, die sich dir anpassen, in dem sie dir erweiterte Erklärungen oder Beispiele liefern oder dich nach deinen Vorgaben gezielt testen. Auch könntest du problemlos Nachfragen stellen, die du in der Vorlesung vor Professor*innen und Kommiliton*innen vielleicht nicht so formulieren würdest.

Character.ai als Beispiel für das Funktionsprinzip

Auf Character.ai kannst du mit Bots chatten, die beispielsweise Stars oder Filmfiguren imitieren. Die Nutzer*innen können individuelle „Charaktere“ kreieren und deren „Persönlichkeiten“ formen, indem sie spezifische Eigenschaften definieren. Anschließend können sie diese in der Community veröffentlichen, um anderen die Interaktion mit ihnen zu ermöglichen. Viele dieser Charaktere sind von fiktiven Medien oder Prominenten inspiriert. Sie können beispielsweise als Unterstützung beim kreativen Schreiben dienen oder als Fitness-Assitent*in dabei helfen, deine Workout-Ziele zu definieren und einzuhalten. Diese Beispiele illustrieren, wie mensch sich auch einen Lernbot leicht vorstellen kann.

Voraussetzungen für Lernbots 

Mit einem Bot erfolgreich zu lernen erfordert also nicht viel, bei ChatGPT kannst du diese sogenannten Systemparameter – wie auf der Seite „Prompting Strategien“ beschrieben – unter „Customize ChatGPT“ einstellen. Mit dem in diesem Onlinekurs gewonnenen Basiswissen über die Funktionsprinzipien und Limitationen von Sprachmodellen hast du bereits die Voraussetzungen geschaffen, denn du kannst den allgemeinen Stellenwert der KI-generierten Aussagen wahrscheinlich schon ganz angemessen einschätzen. Jetzt musst du deinen „Studdy Buddy“ nur noch zielorientiert für die gelingende Kooperation fit machen.

Per „Customize ChatGPT“ oder „kiwi-Systemprompt“ kannst du aus dem Bot deines Vertrauens superleicht einen „Study Buddy“ machen. Definiere spezifische Eigenschaften und lass dich nach deinen Vorgaben coachen.

Wobei können dir ChatGPT & Co. helfen?

Hier wird (das eingebettete Video startet bei Minute 7:52) kurz und knapp gezeigt, wie einfach und dazu kostenfrei es möglich ist, dich mit einem „KI Studdy Buddy“ auf Prüfungen vorzubereiten. Im Prinzip musst du nur die richtigen Fragen stellen bzw. präzise Anforderungen formulieren, die sogenannten Prompts, wie auf der Seite „Prompting-Strategien: Wie sag ich’s meinem Bot?“ bereits behandelt wurde.  Wenn du dich immer noch fragst, warum viele so fasziniert von den KI-Potenzialen sind, sollte es in Verbindung mit diesem Video hoffentlich noch einmal klar werden.

7 Neue Apps, Die Studieren Viel Zu Einfach Machen (2025) erstellt von Luis Newton veröffentlicht auf YouTube

Sokratische KI-Tutoren konfigurieren 

Bei einem sokratischen Dialog wird Wissen zu vermittelt, ohne zu belehren. Man lernt effektiver, weil man die Antwort nicht gesagt bekommt, sondern sich selbst (ein bisschen) anstrengen muss, um sie mit Hilfe des fachkundigen Tutors respektive der fachkundigen Tutorin herauszufinden. Es werden gezielte Fragen gestellt, um das vorhandene Wissen herauszufinden und mit dem zu verbinden, was gelernt werden soll. Die Tutor*innen nehmen dabei die Position von Nichtwissenden ein.

Auch hier kannst du generative KI als Helfer nutzen, d.h. das Sprachmodell deiner Wahl zu deinem persönlichen sokratischen Tutor konfigurieren. Den folgenden Prompt kannst du kopieren und einfügen. Setze das Thema, an dem du gerade arbeitest, einfach für die grünen Teile ein:

Du bist eine erfahrene Professorin für Lehramt an Grundschulen

Ich möchte folgende Themen lernen
– Didiaktik der Grundschulmathematik
– Grundlagen der Grundschulpädagogik
– Grundschuldidaktik Deutsch

Stelle mir Fragen aus diesen drei Tehmenbereichen. Wenn du mir antwortest, dann teile mir nicht sofort die komplette Antwort mit, sondern nutze den sokratischen Frageansatz, um mir zu helfen, die Antwort selbst zu finden.

Der eigentliche Ursprung des sokratischen Dialogs

Fun Fact: Tatsächlich geht es beim sokratischen Dialog darum, sich über Scheinwissen klar zu werden und dieses gemeinsam aufzudecken, um eigenverantwortliches Denken herauszufordern. Sokratische Dialoge sind eine Methode, um durch gezielte Fragen sein Gegenüber selbst erkennen zu lassen, dass es entgegen der eigenen Annahme nur Scheinwissen besitzt oder Denkfehler begangen hat.

Wenn die KI mit dir spricht, notiere dir alles, was dich verwirrt oder von dem du glaubst, dass die KI es verwechselt. Gehe dem über vertrauenswürdige Quellen nach und sichere dich ab, okay?

KI-Anwendungsbeispiele für Studierende

Auf dieser Webseite der Uni Frankfurt findest du bei Interesse detaillierte Tipps, wie KI dich beim Lernen und der Studienorganisation unterstützen kann. Auch hier wird vorangestellt, dass du den Einsatz unbedingt mit deinen Dozierenden besprechen musst, vor allem, wenn du ihn im Prüfungskontext wie z.B. beim Schreiben von Hausarbeiten verwenden willst. Gibt es bisher noch keine klaren Ansagen, dann musst du davon ausgehen, dass das Fehlen einer expliziten Erlaubnis faktisch einem Verbot gleichkommt! Sobald du das GO hast, könntest du dann auf Seiten wie dieser genauere Impulse sammeln, in welchen Phasen des Schreibprozesses du welche Art von Unterstützung durch Sprachmodelle erhalten kannst. Was jetzt folgt ist erst einmal nur eine der Übersichtlichkeit halber eingekürzte Liste mit exemplarischen Einsatzszenarien, wie du sie auf der Seite der Uni Frankfurt findest.  

Semestervorbereitung

Auf Grundlage von Literaturlisten oder Skripts kann eine KI mögliche Schwerpunkte in der Lehrveranstaltung identifizieren und kurze Zusammenfassungen generieren. So gewinnst du einen Überblick über das Semester und kannst die Inhalte einzelner Sitzungen bzw. die Abschnitte des Skripts in den Gesamtzusammenhang einordnen.

Studienorganisation/Semesterplanung

KI-Tools können Wochenpläne vorschlagen, um einen Überblick über verschiedene Kurskombinationen zu geben. Bei der Vorbereitung auf Klausuren kann eintabellarischer Lernplan generiert werden, indem Sie Themen, verfügbare Zeit und ggf. Schwerpunkte angeben. 

Seminarlektüre/Sitzungsvorbereitung

Mit KI-generierten Zusammenfassungen kannst du dir vor dem eigentlichen Lesen einen Eindruck vom Ziel und Aufbau eines Textes machen und sie beim Lesen ergänzen und verbessern. Setze dich kritisch mit dem höchstwahrscheinlich lückenhaften Text auseinander und erstelle ein für dich brauchbares Exzerpt. 

Übersetzungshilfen

KI-Tools zur Übersetzung in oder aus Fremdsprachen sind bereits weit verbreitet. Auch hier solltest du vor allem auf wissenschaftliche Formulierungen achten, die in Übersetzungen oftmals verloren gehen können bzw. durch KI vereinfacht werden.

Mathematische Aufgaben lösen

Darauf spezialisierte KI-Tools wie Wolframalpha können helfen, mathematisches Grundverständnis zu entwickeln und beispielsweise Rechenwege nachzuvollziehen. Sprachmodelle wie ChatGPT sind hier jedoch besonders skeptisch zu betrachten, da ihre probabilistische Funktionsweise der notwendigen Exaktheit mathematischer Argumentation entgegensteht. Selbst bei richtigen Antworten können KIs kleine Fehler in Beweisführungen einbauen und so das Verständnis erschweren.

Prüfungsvorbereitung

Eine inhaltliche Prüfungsvorbereitung sollte nur bei eng gefassten Textarbeiten oder naturwissenschaftlichen Grundlagenfächern verwendet werden. Das Einspeisen bereits behandelter Aufgaben und Generieren von ähnlichen Aufgabentypen kann beim Vorbereiten auf Klausuren eine nützliche Ergänzung sein. Sei dabei immer vorsichtig, da die Ergebnisse nicht auf inhaltliche Korrektheit geprüft werden und die Gefahr besteht, dass sie Fehlinformationen enthalten. Diese Gefahr wird größer, je stärker es sich bei den jeweiligen Themen um Nischenthemen handelt.

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